19.10.2017
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Winterzeit – kein Problem

von Katja Gartung
Wecker, Winterzeit, Bett

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Die Winterzeit beginnt. Jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober stellen wir die Uhr von 3 auf 2 Uhr zurück. Das hört sich erst einmal toll an, denn dann können wir eine Stunde länger schlafen. Aber findet unser Körper das wirklich so toll? Wie oft hört man schon Wochen vorher das Klagen, dass es mit Einsetzen der Winterzeit abends wieder so früh dunkel wird. Das stört uns vor allem deshalb, weil die meisten von uns morgens im Dunkeln aus dem Haus gehen und abends erst heimkommen, wenn es schon wieder dunkel ist. Man fühlt sich nahezu um den Tag betrogen, denn man hat vermeintlich weniger von ihm, wenn es an solarer Beleuchtung mangelt.  Wenn es dann draußen tagsüber – typisch Herbst –grau und regnerisch ist, sind wir oft missgestimmt, müde und erschöpft. Ist das Sonnenlicht rar, können wir unsere Energievorräte nur schwer aufladen.

Dabei ist die Winterzeit eigentlich die Normalzeit, auch als mitteleuropäische Zeit (MEZ) bekannt. Es ist die Sommerzeit, die künstlich konstruiert wurde. Sie wurde eingeführt, um signifikante Energieeinsparungen herbeizuführen, indem das Tageslicht besser genutzt und damit Strom- und Heizkosten gesenkt werden.

Und tatsächlich: Wenn wir nun Ende Oktober unsere Uhren umstellen, hat unser Körper eigentlich Grund zum Jubeln. Zwar kann die Umstellung in diese Richtung unseren Biorhythmus am Anfang ein wenig durcheinanderbringen, doch die wenigen Beschwerden, über die berichtet wird, sind in der Regel leicht und betreffen lediglich eine relativ kleine Anzahl von Personen. An sich kommt uns die Umstellung auf die Winterzeit sogar entgegen. Auch wenn einige bei der Umstellung auf die Winterzeit mit Problemen wie Schlafstörungen oder verstärkter Müdigkeit zu kämpfen haben, entspricht der 25-Stunden-Rhythmus, der am Tag der Zeitumstellung entsteht, dem in uns verankerten natürlichen Tagesrhythmus. Forscher fanden heraus, dass Menschen, die über einen gewissen Zeitraum isoliert und ohne eine natürliche Lichtquelle leben, einen 25-Stunden-Tagesrhythmus entwickeln. Anscheinend entspricht der unserer inneren Uhr. U.a. belegt dies eine Studie vom Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie aus den 1960er Jahren.

Die alljährliche Umstellung auf die Sommerzeit bringt potenziell weitaus mehr Probleme für den Organismus mit sich als die auf die Winterzeit. Da ist dann von einem Phänomen namens Mini-Jetlag die Rede, das den Körper oft tage- oder sogar wochenlang nachhaltig beeinflusst. Also nichts da mit „Bonjour tristesse.“ Empfangen wir den Winter mit offenen Armen und genießen die nächsten Monate – Normalzeit eben.

Foto: pexels.com